Es ist Krise und wir schlagen vor, über Methoden zu reden. Methoden, die da ansetzen, wo wir leben, lieben und kämpfen. Methoden, die fragen, zuhören und hinschauen – Untersuchungen. Nicht «Wie hängen Finanz-, Ernährungs- und Energiekrise zusammen?» (wüssten wir trotzdem gerne), sondern «Wie geht es mir beim Hangeln von Projekt zu Job zu Projekt?» / «Wie würdest Du gerne wohnen, arbeiten, leben?» / «Was macht mich krank?» / «Wo können wir zusammenkommen?»

...zum Editorial

Thema

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Orientierungssinn

Zur Methodologie militanter Untersuchungen

Maribel Casas-Cortes & Sebastian Cobarrubias

2007 gaben Stevphen Shukaitis und David Graeber ein Buch über Militante Untersuchungen heraus, in dem einige eng an soziale Bewegungen geknüpfte Untersuchungsmethoden vorgestellt werden: Constituent Imagination. Beschrieben sind auch die Precarias a la Deriva, die wir bereits in der arranca! 31 interviewt haben. Ihre und eine weitere Methode aus dem Kapitel Drifting through the Knowledge Machine dokumentieren wir hier gekürzt.

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Den Blick auf allen Ebenen schweifen lassen

Untersuchung und Organisierung im Call-Center

Gruppe Kolinko

Die Gruppe Kolinko hat in den Jahren 1999 bis 2002 eine Militante Untersuchung in Call Centern im Ruhrgebiet durchgeführt. Die Ergebnisse und Entwicklungen wurden auf ihrer Webseite und im Buch hotlines – call center / untersuchung / kommunismus dokumentiert. Die arranca! sprach mit Sweet Potato und Boxcar Joe von Kolinko über ihr Konzept von Militanter Untersuchung.

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Von Wirbelwinden und Windspielen

‹Movement Building› und Militante Untersuchung in den USA

Team Colors Collective

Wir von Team Colors, AktivistInnen in einem bewegungsorientierten Forschungskollektiv, nutzten die 2008 in den USA stattfindenden Protestaktionen aus Anlass der Parteitage der Demokratischen und der Republikanischen Partei dazu, eine strategische Untersuchung über ‹Movement Building› und die Konstruktion von Klasse anzustoßen.

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Die Entdeckung des Eigensinns

Anmerkungen zur Geschichte der Militanten Untersuchung

Peter Birke

In den langen 1950er Jahren wurde in vielen westeuropäischen Ländern eine alte Marx‘sche Vorhersage zur Realität: Der Anteil der Lohnarbeiter_innen an den Arbeitenden stieg auf einen historischen Höhepunkt, die große Mehrheit lebte vom Verkauf der eigenen Arbeitskraft. Doch der Proletarisierung folgte keine Politisierung im Sinne der traditionellen Parteien und Gewerkschaften, die aus der Zweiten und Dritten Internationale hervorgegangen waren. Überall schien die Arbeiterklasse sich mehr für die neuen Konsummöglichkeiten und das individuelle Fortkommen zu interessieren als für die Revolution. Immer deutlicher wurde, wie die Hoffnung auf die Fabrik als ‹Organisatorin der Massen› sich nicht erfüllen würde. Die Rebellion, die am Ende des Jahrzehnts auch die Fabriken und Büros ergriff, war vielmehr ein Aufstand gegen die Arbeit einschließlich ihrer stark entfremdeten und hierarchischen Organisationen.

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Was macht mich krank?

Ein strategischer Diskurs, ein ‹Nicht-Bündnis› und eine aktivierende Befragung

Thomas Seibert

Im Vorfeld der Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm trat ein Bündnis an die Öffentlichkeit, das gar kein ‹Bündnis› sein wollte und dies noch immer nicht ist. Als Initiative für Globale Soziale Rechte geht es der merkwürdigen Formation nicht um einen kurz- oder mittelfristig abgezweckten taktischen Konsens, sondern um eine langfristig angelegte strategische Debatte. Dem entspricht, dass die Beteiligten ihre politische Zugehörigkeit zwar offen benennen und einbringen, dabei jedoch nicht als deren ‹Repräsentant/innen› auftreten.

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Und Action!

Aktionsforschung: Die grosse Schwester der Militanten Untersuchung

Michael Zander

Aktionsforschung, auch Tat- oder Handlungsforschung genannt, heißt ein sozialwissenschaftlicher Ansatz, der üblicherweise folgende Merkmale aufweist: Erstens nehmen ‹Laien›, also Nicht- WissenschaftlerInnen an der Forschung teil. Die Teilnahme soll die Perspektive der professionell Forschenden erweitern und gegebenenfalls korrigieren. Zweitens ist das Ziel der Forschung, mittels einer intervenierenden Aktion ein bestimmtes gesellschaftliches Problem zu lösen oder zu bearbeiten, von dem die Laien und eventuell auch die professionell Forschenden selber betroffen sind. Drittens sollen mit Hilfe der Aktion neue Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Intervention selber und über Charakteristika der gesellschaftlichen Strukturen, die durch die (versuchte) Veränderung deutlich werden, gewonnen werden.

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Sozialistischer Gebrauch des Arbeiterfragebogens

Raniero Panzieri

Dieser Text ist die schriftliche Übertragung des auf Band aufgenommenen Diskussionsbeitrags von Raniero Panzieri auf einem in Turin im September 1964 veranstalteten Seminar mit dem Thema ArbeiterInnenbefragung.

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«Wer eine Sache nicht untersucht hat, hat kein Recht mitzureden» (Mao)

Student_innen in der Fabrik

Jan Ole Arps

Was haben Mao Tse-Tung und Arbeiter*innen aus dem Opelwerk Rüsselsheim im Jahr 1970 gemeinsam? Einiges, so der Autor Jan Ole Arps. Denn: In der Zeit der friedlichen Koexistenz von Kapitalismus und Kommunismus im Westen, beschloss die Frankfurter Gruppe ihre Untersuchung im Opelwerk zu starten. Ein besonderer Bericht über Untersuchungen, Revolutionen und folgeschwere Planänderungen.

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Moderner Klassenkampf mit Fragebogen

Untersuchungen auf der Berlinale und dem Berliner Mayday

Für eine linke Strömung

Ein Interview mit AktivistInnen des Berliner Mayday und der Berliner Gruppe Für eine linke Strömung (FelS) über die Untersuchungen auf der Mayday-Parade und während der Berlinale.

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Colectivo Situaciones

Militante Untersuchung unter Einsatz des Körpers

Sebastian Touza

In Argentinien vervielfältigten sich während der 1990er Jahre die Kämpfe für Gerechtigkeit und Würde. Diese Kämpfe, die nach dem Aufstand von 2001/2002 sichtbarer wurden, bestärkten den Widerstand gegenüber der neoliberalen Verkürzung aller Lebensaspekte auf ökonomische Zwecke und gegenüber der offensichtlichen Leere der parlamentarischen Demokratie. Zu den vielen in diese Kämpfe involvierten Bewegungen und Gruppen gehören Erwerbslose, FabrikbesetzerInnen, Menschenrechtsgruppen, öffentliche Stadtteilversammlungen sowie alternative Gesundheits-, Bildungs-, und Kunstprojekte. Viele dieser Initiativen lehnten traditionelle linke Praktiken ab, da diese lokales widerständiges Wissen abwerteten und es einem strategischen Kalkül unterordneten. Sie unterstrichen, dass Intellektuelle sich nicht mehr anmaßen können, das innerhalb der Bewegungen fehlende Bewusstsein zu sein. So erzwangen sie eine Anerkennung der situativ-kreativen Kräfte der sozialen Auseinandersetzung und Kämpfe.

Artikel außerhalb des Schwerpunkts

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Gnadenlos unerträglich

Fernsehen zur Erziehung der Arbeitslosen

Christina Kaindl

Kann die Sendung «Gnadenlos unerträglich» gegen den Strich geschaut werden? Der Titel deutet an, dass hier nur dem Recht Geltung verschafft wird. Tatsächlich stellen sich die Protagonist*innen Frau Fürst und ihr Gehilfe als eine Art Über-Eltern-Instanz dar: Wer ordentlich fragt und nicht betrügt, dem wird gewährt, ansonsten werden andere Saiten aufgezogen. Mit Walter Benjamin und Klaus Holzkamp hinterfragt Christina Kaindl das Serien-Szenario.

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Erfolgreich gescheitert

Arndt Neumann

War die Alternativbewegung ein Wegbereiter des Neoliberalismus? In seinem neu erschienenen Buch Kleine Geile Firmen (Edition Nautilus, 2008) spannt Arndt Neumann zur Beantwortung dieser Frage einen Bogen von den Beatniks über die Hippies, die Alternativbewegung und ‹neue Unternehmensberater› wie Matthias Horx bis zur Digitalen Bohème. Dabei zeigt er, wie die Forderung nach Autonomie von einem Ausgangspunkt der Revolte zu einem Mittel der Ausbeutung werden konnte.