Die politische Linke hat sich – nicht zuletzt in Heimarbeit – die umfassendste Krise seit dem Bestehen der Bundesrepublik zu eigen gemacht. Als Reflex auf die fundamentalen Veränderungen der politischen Landschaft, sozusagen im Affekt, wurden reihenweise Grundlagen linker Politik über Bord geworfen, seien es theo­retische, empirische oder historische. Damit fehlen scheinbar die notwendigen Voraussetzungen, um gesellschaftlich wirken zu können. Je mehr sich die radi­kale Linke im politischen Labyrinth in der trügerischen Hoffnung nach „neuen Antworten“ verläuft und sich in internen Scheingefechten ergeht, je weniger sie nach außen hin sichtbar in Erscheinung tritt, desto mehr scheint sich die Prophe­zeiung der eigenen Wirkungslosigkeit und Isolation zu erfüllen.

Die Linke ist tot – es lebe die Linke!

Zweifelsohne muß an vie­len Punkten eine Neube­stimmung linker und auto­nomer Standpunkte erfolgen, muß mit anachro­nistischen Dogmen gebro­chen werden, um politisch, d.h. gesellschaftlich wirken zu können. Wenn das als ein Ziel formuliert wird, können die Schritte und Entwicklungen nicht aut(onom)istisch vollzogen wer­den, sondern nur mit wachem Blick auf die ge­sellschaftlichen Zustände und Entwicklungen. Dazu gehört auch ein scharfer Blick auf den weitverbrei­teten Umgang mit den Massenmedien.

Wir sind der Meinung, daß zum jetzigen Zeitpunkt eine intensive Medienarbeit Be­standteil einer politischen Strategie sein muß, die auf gesellschaftliche Verände­rung zielt. Sie ist notwendig, um unsere politischen Aktivitäten und Positionen – die übrigens nicht alle über Bord gegangen sind – über ein interessiertes Umfeld hinaus einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzuma­chen. Darüberhinaus hat der Versuch, in bürgerlichen Medien in Erscheinung zu treten, ein weiteres defensi­ves und gleichzeitig not­wendiges Moment: Als Reaktion auf die starke Medienpräsenz der Faschi­sten.

Wir wollen im Folgenden versuchen, diese Position zu erklären und beispielhaft einige Aspekte unserer Pres­searbeit beleuchten.

Streiflicht auf autonome Mediengeschichte

Seit Mitte der 80er Jahre waren durch die Anti-AKW-Bewegung, durch Demon­strationen an der Startbahn-West am Frankfurter Flughafen und in Wackersdorf die Autonomen immer wieder im Blickpunkt der Medien und so auch Blick­punkt des öffentlichen Interesses. Autonome Me­dienpolitik gab es kaum und war dementsprechend irrelevant. „Die unzurei­chende Öffentlichkeitsarbeit autonomer Gruppen“, schreibt die Arranca in ihrer 0-Nummer, sei nicht nur „Folge ihrer mangelnden Strukturen, sondern Teil ihres politisch-ideologischen Konzepts. Demzugrunde liegt die mechanistische Vorstellung, daß sich eine gute Aktion bereits durch ihre Vorbildhaftigkeit poli­tisch vermittelt und zum Nachmachen motiviert, Öffentlichkeitsarbeit also weitgehend überflüssig ist“.

Allein durch die Vielzahl der Aktionen war autono­mer Widerstand in der Öffentlichkeit präsent und als politischer Faktor wahrnehmbar. Als die Bewegung Ende der 80er Jahre an Bedeutung verlor und die Autonomen zudem über die Gewaltfrage zusehends in die politische Isolation gedrängt wurden, stellte sich vielen die Frage nach der Notwendigkeit von Me­dienarbeit. Die Alternativen waren das Verschwinden im Ghetto oder mit dem „Vehikel“ einer strukturierten Medienarbeit neue Ansätze für die Präsenz in der Öffentlichkeit zu ermöglichen. Längerfristig wäre damit die Chance ver­bunden gewesen, radikale linke Positio­nen weiterhin in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Öffentlichkeitsarbeit um den Tod von Conny im November 1989 in Göt­tingen förderte die Uneinigkeit der Auto­nomen in Göttingen in der Frage der Medienpolitik zu Tage. Während von Seiten der Presse eine erhebliche Nach­frage nach Informationen bestand, wer sich hinter den Masken befand, war die autonome Szene durch ihre Uneinigkeit über den Umgang mit der Presse gekennzeichnet. Über die Kritik an dem Verwertungsinteresse der Medien, der Einschätzung, daß authentische Informa­tionen sowieso nicht vermittelt werden und „die Presseschnüffler uns eh nur über den Tisch ziehen wollen“, wurde ignoriert, daß zwangsläufig ein falsches Bild der Ereignisse gezeichnet werden mußte, wenn die Medien auf die Dar­stellungen der Polizei und einiger nach dem Zufallsprinzip auf der Straße be­fragter Menschen als einzige Informa­tionsquellen angewiesen waren. Folge­richtig kam es dann auch zu der bekannten einseitigen Berichterstattung.

Daß diese aber nicht zwangsläufig und ausschließlich in den Strukturen der Medien angelegt ist, sondern auch mit der Unfähigkeit (mindestens aber der Weigerung) der autonomen Linken zusammenhängt, diese Strukturen zu nutzen, ist eine Einsicht, der sich viele noch immer verschließen.

Die autonome Politik der letzten zehn Jahre in Göttingen war angesichts der Öffentlichkeitsarbeit nicht selten eine Politik der verlorenen und vergebenen Chancen. Nicht allein der Tod von Conny machte das deutlich. Mußte an diesem Punkt die übliche Schmalspurpo­litik verlassen werden, waren die einzel­nen Zusammenhänge und Strukturen häufig hoffnungslos überfordert und kehrten in die vorherige Selbstisolation zurück. Die Anfragen nicht nur von Sei­ten der Medien konnten oder sollten keine Beantwortung finden, ernsthaft interessierte Einzelpersonen wurden immer wieder abgewiesen. Die Anteil­nahme nach Connys Tod von großen Teilen der bürgerlichen Bevölkerung, ähnlich wie nach der JuZI-Razzia im Dezember 1986, paßte zudem nicht ins selbstgerechte Weltbild über die Gesell­schaft außerhalb des Ghettos und der eigenen vermeintlich elitären Position.

Von Funktion und Umgang

Wenn wir die Medien nutzen wollen, muß zunächst ihre Bedeutung und Wir­kungsweise geklärt werden. Daraus be­stimmt sich dann das Verhältnis zu ihnen. Dieses Verhältnis kann immer nur ein kritisches sein. Da die Zusam­menhänge zwischen Medienpolitik und Machterhaltung, zwischen Informati­onsgestaltung, Manipulation und Mei­nungsbildung offensichtlich sind, steht außer Frage, daß die Medien als Ideologieträger auch eine herrschaftssi­chernde Funktion innehaben. Sie reprä­sentieren die öffentliche Meinung eben nicht nur (z.B. in der Asyldebatte), son­dern gestalten sie massiv mit. Das Ideal­bild der Massenkommunikation als „öf­fentlicher Raum“, als Informationsbörse, Diskussionsforum und Instrument der gesellschaftlichen Kontrolle ist ebenso weit von der Realität entfernt wie die Möglichkeit objektiver Berichterstattung. Die Probleme scheinen zu Genüge er­kannt, aber ein angemessener Umgang, der allen Anliegen und Widersprüchen gerecht wird, ist nicht in Sicht.

Die Autonome Antifa (M) versucht zur Zeit, einen annehmbaren Weg durch den Mediendschungel zu gehen. Das heißt konkret, daß außer in den zahlrei­chen eigenen Flugblättern auch in bür­gerlichen Medien über unsere Aktionen und politischen Schritte berichtet wird. Dabei kommt uns zugute, daß, unab­hängig von der politischen Ausrichtung, ein ständiger Bedarf an publikumswirk­samen Nachrichten besteht. Wird dieser Bedarf als ein taktisches Moment inner­halb der Medienarbeit eines politischen Konzeptes miteinbezogen, kann daraus sogar ein eigener Handlungsspielraum freigelegt werden. Dabei besteht das kommerzielle Verwertungsinteresse der bürgerlichen Medien als wesentlicher Aspekt weiter.

Linke und bürgerliche Medien

Wir unterscheiden zwischen der Zu­sammenarbeit mit autonomen/linksradi­kalen und bürgerlichen Medien. Diese Unterscheidung bezieht sich auf die Ver­mittlung von korrekten Informationen und Darstellung unserer politischen Arbeit, aber auch auf die Möglichkeit, einen größeren Kreis von Menschen zu erreichen. In Bezug auf ihre politische Wirkung lassen sich unser in zahlreichen linken Publikationen abgedruckter Orga­nisierungsvorschlag im Antifa-Bereich und ein 5-minütiger Bericht über unsere Demo am 2. Oktober 1992 im NDR Regionalfernsehen nicht vergleichen. Idealtypisch wäre die Situation, daß eigene Medien den politischen Diskurs innerhalb der Linken ermöglichen wür­den, allerdings muß kritisch hinterfragt werden, ob „unsere“ Medien wirklich einen Diskussionsprozeß zwischen allen Interessierten gewährleisten können. Nicht nur aufgrund des Stadt-Land-Ge­fälles, durch das einzelne Menschen außen vor stehen. Auch wegen einer verdeckten politischen Selektion einiger Redaktionen von „Szene-Zeitschriften“. Häufig werden Positionen von der ande­ren Seite des „Grabens“ polemisch kom­mentiert oder verschwinden im Ordner. Auch die sich als linksradikal verste­henden Medien sind nicht gegen die Versuchungen der Macht gefeit und wer­den nur zu oft dem eigenen Anspruch der Gegenöffentlichkeit bzw. des inter­nen Diskussionsforums nicht gerecht. Haben Blätter wie die „Interim“ aus Ber­lin ihre jetzige Bedeutung dem ur­sprünglichen Anspruch zu verdanken, Sprachrohr der Bewegung und Diskus­sionsforum zu sein, so sind sie mittler­weile – abhängig vom desolaten Zustand des überwiegenden Restes der radikalen Linken heute – im eigentlichen Sinne das Organ einer bestimmten Frak­tion. Sie kommen über eine tendenziöse Auswahl, in der längst nicht mehr alles wahr ist, was da gedruckt und vertrie­ben wird, nicht mehr hinaus. Diese Kri­tik stellt die grundlegende Bedeutung „eigener Medien“ selbstverständlich nicht in Frage.

Aus der Einschätzung heraus, daß die autonome Bewegung in den bürgerli­chen Medien faktisch nicht mehr wahr­nehmbar ist, daß also in einem so wich­tigen Bereich wie der Massenkommunikation zum einen den Faschisten das Feld überlassen und zum anderen die Möglichkeit nicht genutzt wird, positive Orientierungspunkte zu setzen, ging die Autonome Antifa (M) daran, gezielte Medienarbeit zu entwickeln. Natürlich vermittelt die bürgerliche Presse nicht linke Diskussionsprozesse (abgesehen von konstruierten und sensationsorien­tierten Zerrbildern zur „neuen RAF-Stra­tegie“). Sie können in Bezug auf das linke Spektrum nur die Funktion erfül­len, darüber zu informieren, daß Aktio­nen stattgefunden haben und den staatli­chen Informationszuträgern Paroli zu bieten. Nicht unbesorgt vermutete z.B. ein Göttinger Polizeisprecher, daß die „Autonomen“ damit in „Konkurrenz zu den Polizeipressestellen“ treten woll­ten. Wichtiger ist die Lokalpresse aber für die Verankerung der politischen Arbeit einer Gruppe in der Region, die über den engeren Kreis von Interessier­ten hinausgeht.

Als Voraussetzung für eine Intensivie­rung der regionalen Pressearbeit kann eine vorherige Analyse der örtlichen Presselandschaft und eine genaue Beob­achtung ihrer Entwicklung nicht aus­bleiben.

Nicht überall kann es sinnvoll sein, in ähnlicher Weise wie in Göttingen Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Die Entscheidung zur diesbezüglichen Inter­vention bleibt von den jeweiligen Bedin­gungen abhängig. In Göttingen gestaltet sich diese Arbeit vergleichbar einfach. An unangefochtener Spitze auf dem ört­lichen Medienmarkt steht das „Göttinger Tageblatt“, das in einer Auflage von ca. 40.000 Exemplaren erscheint, seit Jahr­zehnten eine Monopolstellung innehat. Nicht zuletzt seine braune Vergangen­heit, seine Nähe zur CDU und seine Monopolstellung hat das GT immer wie­der zum Angriffsziel autonomer Aktio­nen und linker Kampagnen gemacht. Auch die Autonome Antifa (M) hat ent­sprechende Aktivitäten initiiert oder unterstützt.3 Dennoch konnte die Ent­wicklung des wichtigsten Organs der bürgerlichen Presse in Göttingen nicht ignoriert werden. Die skandalöse Berichterstattung des GTs im Verlauf der Ereignisse um den Tod von Conny bereitete der Tageszeitung offenbar ernsthafte Probleme. Das äusserte sich zum einen in der Flut an kritischen und empörten Briefen der Leserinnenschaft als auch in einem empfindlichen Rück­gang der Dauerbestellungen. Das Göttin­ger Tageblatt konterte mit einer beispiel­losen Werbekampagne auf Plakatwänden in der ganzen Stadt, in der es für ihre „tolerante“ Berichterstat­tung warb. Als Werbeträger der neuen Informationspolitik mußte auch die Ab­bildung eines Punk herhalten. Doch der propagierten Kursänderung folgten wahrnehmbare Veränderungen. Immer seltener wurde gegen Aktionen gehetzt und Autonome als „Chaoten“ diffamiert. Der konservative Chefredakteur Horst Stein bezeichnete in einem Interview die Rolle des Göttinger Tageblattes als die eines „Chronisten“ und weiter: die Leute vom GT „haben in keinem Fall zu sein politikmachende oder Politikzirkel vor­gebende Leute“. Daß auch diese Posi­tion angesichts der politischen Verhält­nisse nicht der Wahrheit entspricht, ist selbstverständlich. Der sich selbst gern weltmännisch gebende Horst Stein und die ihm untergebene Lokalredaktion haben jedoch die alte Frontstellung gegenüber autonomen Kräften vorläufig aufgegeben.

Daß sich selbst in Kreisen autonomer Orthodoxie die Erkenntnis breitmacht, daß sich in der Informationspolitik des GT etwas geändert hat, konnte noch nir­gends gelesen werden, wird jedoch durch Aktionen offenkundig, die nach den Morden von Solingen stattfanden. Während bei der Redaktion eines für seine reißerische und nicht selten rassi­stische Berichterstattung bekannten An­zeigenblattes sehr zu recht fast alle Fen­sterscheiben zu Bruch gingen, reichte es an der Zentrale des Göttinger Tage­blattes nur zu einer gesprungenen Schaufensterscheibe.

Die Version, die Autonome Antifa (M) oder andere Gruppen innerhalb der Antifaschistischen Aktion/Bundesweiten Organisation würden bezüglich der Medienpolitik Sonderwege einschlagen und mit ihrer Strategie isoliert auf weiter Flur stehen, ist schon in Bezug auf Göttingen zu widerlegen. Eine ähnlich offensive Öffentlichkeitsarbeit wie die Autonome Antifa (M) betreiben z.B. auch die im Flüchtlingsbüro arbeitenden Gruppen und erst kürzlich überraschte eine Initiative aus dem JuZI, das Auto­nome Infobüro, mit einer durchaus reali­stischen Einschätzung linker Medienpoli­tik.

Die Erfahrung zeigt, daß das kon­sequente Verschicken von Pressemittei­lungen und besonders der persönliche Kontakt zu Pressevertreterinnen die Form der Berichterstattung durchaus in Richtung einer korrekten Informationsvermittlung beeinflußt. So werden zunehmend über sensationsheischende Schlagzeilenberichte hinaus die inhalt­lichen Aussagen von Aktionen darge­stellt. Nur so kann die Gruppe der Men­schen, die radikalen Positionen zunächst kritisch interessiert gegenübersteht, zu einer Auseinandersetzung bewegt wer­den.

Der konkrete Umgang

Vor diesem Hintergrund kommt eine besondere Bedeutung der Form der Ak­tionen, sprich: der potentiellen Nach­richt, zu. Die Zahl der Aktionen, die sich von selbst vermitteln, ist relativ gering: Eine Scherbendemo anläßlich des Welt­wirtschaftsgipfels transportiert eine unmißverständliche Aussage, ein Angriff auf faschistische Zusammenhänge erklärt sich ebenso von selbst; wenn wir aber komplexere Inhalte vermitteln wollen, müssen wir dafür sorgen, daß der Deutungsspielraum so gering wie mög­lich ist. So haben wir beispielsweise die Demonstrationen am 2. Oktober, dem Vorabend der Wiedervereinigungsfeiern, immer in plakative AgitProp-Aktionen eingebettet, die unsere Kritik ebenso wie politische Analyse darstellen. Während durch die Aktionen die Menschen, die die Veranstaltung unmittelbar erleben, angesprochen und über visuelle Reize zu einer Auseinandersetzung mit unse­ren Inhalten angeregt werden sollen, geben die Pressemitteilungen den Me­dien die Möglichkeit, uns als Veranstal­terin wahrzunehmen und zu zitieren. So auch am 2. Oktober, mittlerweile einem Datum mit „Göttinger Tradition“.

Wie schon in den beiden Jahren zuvor sollte auch im vergangenen Jahr der 2. Oktober genutzt werden; um mit eige­nen Aktionen an die Öffentlichkeit zu treten und am Tag der „Wiedervereinigung“ eigenkulturelle Impulse zu set­zen.

Mit ausgedehnten Agit-Prop-Aktionen, einem großen Buch- und Infostand, ge­kennzeichneten Ansprechpersonen und einer Demonstration unter dem Motto „Schafft die antifaschistische Einheit – Weg mit den §129a-Ermittlungen“ wurde der Tag von der Autonomen Antifa (M) gestaltet.

Die Reaktionen in der regionalen bür­gerlichen Presse waren für uns vertret­bar. So wurde in einem Artikel des „Göt­tinger Tageblatts“ ausführlich aus der Rede der Autonomen Antifa (M) zitiert, so daß der politische Schwerpunkt der Demonstration deutlich wurde. Die zen­trale Forderung „Weg mit den §129a-Ermittlungen“ fand auch in der Presse Beachtung. Über polizeiinterne Unstim­migkeiten zwischen LKA und der Polizei vor Ort wurde die Kriminalisierung des Antifa-Widerstandes soweit in den Blick­punkt des Interesses gerückt, daß eine Anfrage der Grünen im Niedersäch­sischen Landtag nach den Ermittlungen erfolgte.

Ein weiteres Beispiel zeigt, daß über Nutzung der bürgerlichen Presse politi­scher Druck aufgebaut werden kann. Am 12. Juni 1992 sollte Otto von Habs­burg, Internationaler Präsident der neu­rechten Paneuropa Union, zu einer Ver­anstaltung in einem Hotel hei Göttingen erscheinen. Die Autonome Antifa (M) mobilisierte daraufhin zu einer De­monstration am Ort des Geschehens, um die Veranstaltung zu verhindern. Parallel wurde ein Brief an die Hotelleitung ge­schickt, in der sie aufgefordert wurde, die Räume für die Veranstaltung zu kün­digen. Dieser Brief und eine Presseer­klärung, in der die Blockade des Hotels angekündigt wurde, führten dazu, daß Habsburg von der Hotelleitung wieder ausgeladen wurde. Diese erfolgreiche Verhinderung der Veranstaltung zog für einige Tage in der örtlichen Presse eine Diskussion über die Ereignisse nach sich, wobei insbesondere in den monat­lichen Stadtmagazinen auch die Neue Rechte thematisiert wurcle.

Erfahrungen

Nach drei Jahren ist die Autonome Antifa (M) in der lokalen und regionalen Öffentlichkeit als kontinuierlich arbeiten­de Gruppe und politischer Faktor wahr­nehmbar geworden.

Nach mehreren Jahren Erfahrung und Beschäftigung mit Fragen der Medien­arbeit sehen wir Möglichkeiten, bürger­ liche Medien zu nutzen, um längerfristig durch regelmäßige Präsenz – und gerade auf bundesweiter Ebene mit der Anti­faschistischen Aktion/ Bundesweite Organisation – Möglichkeiten, breitere Schichten für eine antifaschistische Arbeit zu gewinnen. Bedingung dafür ist sicherlich der generelle Öffnungsprozeß der Autonomen Antifa (M). Damit ist die Gruppe ansprechbar geworden. Über Pressemitteilungen hinaus können Informationen vermittelt werden. Es hat sich gezeigt, daß über eine direkte Auseinandersetzung Berichte zustande kommen können, in denen Inhalte autonomer antifaschistischer Politik dar­gestellt werden. Dabei gehen wir bewußt den Kompromiß ein, auch die Sensationslust der Medien wie derer, die sie nutzen, zu bedienen. Es geht bei jedem Kontakt mit Medien von Neuem darum, die Interessen abzuwägen und einzuschätzen, wieweit wir politische Inhalte oder Handlungsperspektiven aufzeigen können.

Anhand des Kenntnisstandes und der vorhandenen (eigenen und fremden) Erfahrungen entscheiden wir, ob eine Zusammenarbeit mit bestimmten Medien sinnvoll für die konkrete politische Aktion ist und welche Gefahren dabei entstehen können. Prinzipiell sehen wir keine Alternative zu einem offeneren Umgang mit Massenmedien: Er ist ein wichtiger Akzent, um politisch wahr­nehmbar und ansprechbar zu sein.