Scheitern

Scheiternhaufen

Der Fortbestand des Neoliberalismus in alltäglichen Kämpfen um Lebensweisen

Die neoliberalen Predigten von Selbstverantwortung, Leistungsbereitschaft, der Sorge um sich (und niemand anderen) sind immer begleitet (gewesen?) von der Bedrohung, an ihnen zu scheitern und dafür auch noch individuell verantwortlich gemacht zu werden. Als Person mit allen Denkweisen, Emotionen, Handlungsgewohnheiten in ein hegemoniales Projekt wie den Neoliberalismus eingebunden zu sein bedeutet, sich umfassend vermarkt- und verwertbar zu machen. Ein prominenter Ort, Menschen mit einer Mischung aus Zwang und Konsens in ein hegemoniales Projekt einzubinden, sind die so genannten Makeover-Shows.

Erschienen in arranca! #40

Die Lehren der Perestroika

Ein Gespräch zwischen Boris Kagarlitzky und Artjom Magun

War die Perestroika eine gescheiterte Revolution oder eine erfolgreiche Restauration? Die aktuelle Ausgabe Nr.19 der Zeitschrift Chto Delat? (Was tun?) blickt unter dem Titel »Was bedeutet es zu verlieren?« zurück auf den Untergang der Sowjetunion und die Jahre des Umbruchs in Russland. Das folgende Streitgespräch zwischen Artjom Magun – Philosoph aus St.Petersburg und Mit-Herausgeber von Chto Delat? – und dem Moskauer Soziologen Boris Kagarlitzky haben wir übersetzt und leicht gekürzt.

Erschienen in arranca! #40

Schönes Scheitern, hässliches Verlieren

Warum wir das Scheitern gegen das Krisenmanagement verteidigen müssen

Eine Sache, für die man nicht scheitern kann, ist nichts wert. Das gilt für Weltraumfahrer ebenso wie für Punk-Musiker: Würde man nämlich so einfach von A nach B gelangen und könnte sich dabei, wie sagt man, »treu bleiben« (und wären wenigstens die Blessuren halbwegs vorberechnet, die Begegnung mit dem intergalaktischen Körperfresser oder das Alt- und-Spießig-werden), dann wäre die ganze Bewegung ja gar nicht in der Zeit (sondern im Plan), also risikolos und unheroisch. Bleibend ist allein das Scheitern. Ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass Nazis nicht scheitern können? (Wer bedingungslos an den Triumph der Stärke über das Schwache glaubt, für den ist Scheitern noch mehr als ein Unwert, nämlich ein Unwerden.)

Erschienen in arranca! #40

Das Andere, das jetzt auch mitspielen darf

Ich und das Scheitern

Verpönt, versteckt, dethematisiert. Lange Zeit führte das Scheitern ein Schattendasein neben seinem strahlenden Bruder Erfolg. Geweint über das eigene Scheitern wurde im stillen Kämmerlein hinter dem Rücken anderer über deren Misserfolg getuschelt. Höchstens verschrobene Gestalten wie Kafka rückten das Scheitern in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen.

Erschienen in arranca! #40

Julia's Calculations

Über Romantik, Wahrheit und »The Dismal Science«

Love Counts. Im Anfang war die Zahl, und die Zahl war bei Gott, und die Zahl war Gott, sie war im Anfang bei Gott. In der Liebe hab ich mich stets verrechnet, so dass aus Etwas Nichts geworden ist. Über die Jahre war ich mit einer mittleren Anzahl von Leuten zusammen. Wie Schwermetalle haben sich die Rückstände dieser Liebesgeschichten in meinem Körper angesammelt; Erinnerungen an Dinge, Sätze, Kleidungsstücke, die in Wohnungen deponiert und in Kartons oder Tragetaschen wieder abgeholt wurden. Kann mich an die Badezimmer erinnern, ein umfunktioniertes Zigarettenregal, einen Aufkleber auf einem Spiegel (reclaim your face), eine insektenhaft gesprungene Kachel und an gute Momente ganz für mich auf der Wannenkante, während in meinem Mund die Zahnbürste selbsttätig rotierte und jemand im Bett schon auf mich wartete.

Erschienen in arranca! #40

16 Thesen zum Scheitern der Linken am Tod

Mehr Fragen als Antworten und einige Widersprüche

1. Solange die Linke die Menschen mit dem Tod alleine lässt, kann sie niemals hegemonial werden. Dabei kommt es nicht darauf an, Antworten parat zu haben, sondern überhaupt etwas dazu zu sagen zu haben und zu erkennen, dass es um ein essentiell wichtiges Thema geht.

Erschienen in arranca! #40

Die Kreation der glücklichen Versager

Wurstmenschen zwischen Unsicherheit und Selbstverwirklichung

Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, dem Abbau von sicheren Arbeitsplätzen, der Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen und dauerhafter Arbeitslosigkeit wird das Misslingen individueller Lebenspläne zu einem Massenphänomen. Am unteren Ende wird die Gruppe der »Entbehrlichen« immer größer, die dauerhaft aus dem Erwerbssystem ausgeschlossen und damit auch kulturell, institutionell und sozial ausgegrenzt sind. Zeitgleich entsteht eine neue Querkategorie sozialer Ungleichheit: die »Überflüssigen« der gut Qualifizierten, die zwar nur zeitweise von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber mit dem neuen negativen Risikobewusstsein leben müssen, dass es auch diejenigen treffen kann, deren Position bisher garantiert zu sein schien. Angesichts dieser gesellschaftlichen Wandlungsprozesse gibt es ein großes öffentliches Interesse an neuen Wahrnehmungs- und Deutungsmustern im Umgang mit individuellem und kollektivem »Scheitern«.

Erschienen in arranca! #40

Ausgebrannt und abgewrackt?

Warum Erschöpfung doch (k)ein Scheitern ist

Laut Deutscher Angestellten Krankenkasse (DAK) haben mittlerweile zehn Prozent aller krankheitsbedingten Arbeitsausfälle seelische Ursachen. Die Zahlen derjenigen, die an der einen oder anderen Variante drastischer Erschöpfung leiden, steigen stetig – obwohl der Krankenstand insgesamt eher sinkt. Dabei wird kaum noch bestritten, dass »chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt« der wichtigste Risikofaktor für Burnout, Depression oder psychosomatische Beschwerden ist. Krankenkassen reagieren auf diesen Befund wie üblich: Mit Tipps und Programmen zur individuellen Stressprävention. Die Arbeitskraft soll am Arbeitsplatz und an den Arbeitsanforderungen nicht scheitern. Scheitern? Wieso eigentlich scheitern?

Erschienen in arranca! #40

Ever tried, ever failed?

FelS-Aktivist_innen über gescheiterte Projekte

Die Logik des Hamsterrades – Hartnäckigkeit, Ignoranz, Zähigkeit – Gender, Politik und Alltag – Kommunist-Sein heute – Pinker Punkt

Erschienen in arranca! #40

Revolution muss erfolgreich sein

Selbstgespräche in der Badewanne

Am Anfang des irischen Wirtschaftswunders stand eine Serie romantischer Filme im Dienst des Tourismus-Ministeriums. Der Film Die Commitments über die härteste Arbeiterband der Welt und über den Dublin Soul illustriert dabei wunderbar die Werdegänge von Aufstieg und Fall, Erfolg und Scheitern, Freundschaft, Konkurrenz und Eitelkeit sowie dem Hoffen auf bessere Tage. Setzen wir uns also mit Band-Manager Jimmy Rabbitte in die Badewanne und interviewen uns selbst über die härteste Linke der Welt und ihre erfolgreichen Leberhaken.

Erschienen in arranca! #40

Inhalt abgleichen