Realsozialismus

Die Lehren der Perestroika

Ein Gespräch zwischen Boris Kagarlitzky und Artjom Magun

War die Perestroika eine gescheiterte Revolution oder eine erfolgreiche Restauration? Die aktuelle Ausgabe Nr.19 der Zeitschrift Chto Delat? (Was tun?) blickt unter dem Titel »Was bedeutet es zu verlieren?« zurück auf den Untergang der Sowjetunion und die Jahre des Umbruchs in Russland. Das folgende Streitgespräch zwischen Artjom Magun – Philosoph aus St.Petersburg und Mit-Herausgeber von Chto Delat? – und dem Moskauer Soziologen Boris Kagarlitzky haben wir übersetzt und leicht gekürzt.

Erschienen in arranca! #40

Willkommen im Club der linken Versager

Zur Geschichte des realexistierenden Scheiterns

»Die Stunde der Niederlage bringt der Sowjetunion noch einen letzten Applaus. Es wird im Moment ihres Scheiterns, in ihrem Verzicht auf Rache und unnützes Blutvergießen jene friedliche und menschenfreundliche Utopie noch einmal erneuert, die den Kern der marxistischen Ideologie ausmacht und die durch die Bolschewiki zu Zeiten ihrer Macht so oft desavouiert worden ist.« (Rainer Bohn 1991)

Gemessen an dem Anspruch, Ausbeutung und Unterdrückung zu beenden und allen Menschen ein Leben ohne Hunger und Personalausweis zu ermöglichen, sind sie alle gescheitert – die Linken. Zuerst diejenigen, die sich von diesem Anspruch – meistens eher heimlich – verabschiedeten bzw. ihn verrieten. Sozialdemokratinnen also, gleich welcher Farbe, rot, grün oder ähnlich, und unabhängig davon, ob sie sich als Partei, Gewerkschaft oder Pfeifenclub organisierten.

Erschienen in arranca! #40

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