Call for participation #50: Politik und Kultur

16.05.2016
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Wir wollen uns in der kommenden Jubiläumsausgabe (#50) der arranca! einem schon seit der Nullnummer wichtigen Thema und besonderem Merkmal unserer Zeitschrift widmen: den Verbindungen zwischen Alltag, Kunst, Kultur und Politik.

Der neoliberale Umbau und die technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte haben Kunst und Kultur einem rasanten Wandel unterworfen.

Wie haben sich die Produktionsverhältnisse von Kunst und Kultur in den Zeiten des Internets gewandelt? Wie sieht die Kulturindustrie heute aus? Ist heute jede*r ein*e Künstler*in? Was bedeutet die neoliberale Forderung nach Kreativität? Worin besteht die politische Schlagkraft von Kunst? Ist ‚gute’ Politik immer auch Kunst? Wie nutzen der Staat, Banken und Unternehmen die Kunst für ihre Interessen/Ideologien? Bedeutet der erweiterte Zugang zu künstlerischen Ausdrucks- und Verbreitungsmöglichkeiten eine wirkliche Demokratisierung der Kultur? Schafft uns die Kunst neue Wege, abseits der Norm wahrzunehmen? Ist das Selfie ein narzisstischer oder ein identitätspolitisch künstlerischer Akt?

Uns interessiert, ob es eine spezifisch linke (Gegen-)Kultur geben kann oder ob Kulturelemente immer von ganz unterschiedlichen Gruppen angeeignet werden. Handelt es sich dabei um die Aneignung gesellschaftlichen Raumes durch politische Akteur*innen oder überwiegt die Aneignung vermeintlicher Subkulturen durch bürgerliche Vertreter*innen?

Welche gesellschaftliche Funktion hat Kunst? Können beispielsweise situationistische Debatten und Diskurse des vorigen Jahrhunderts für den heutigen politisch-kulturellen Aktivismus fruchtbar gemacht werden? Welche Erkenntnisse lassen sich aus den Forschungen der cultural studies hinsichtlich Populärkultur gewinnen? Wie schreiben Kino, Fernsehen und Musik gesellschaftliche Mythen fort oder durchbrechen sie durch das ihnen eigene künstlerische Moment? In welcher Art haben feministische und queere Konzepte den kulturellen Horizont erweitern und verändern können? Welche (neueren) marxistischen Ansätze existieren, Kultur zu produzieren und zu begreifen?

In Zeiten zunehmend pivatisierter Kulturförderung ist Kulturarbeit noch prekarer geworden. Wie begegnen Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen der immer deutlicher werdenden neoliberalen Anforderung Kultur als kapitalistisches Konsumgut und Kreativität als ökonomischen Brennstoff zu produzieren? Welche individuelle Reaktion haben Künstler*innen darauf gefunden und welche Strategien der Organisierung und Vernetzung gibt es?

Und wie steht es um (linke) Kultur als progressiver Impulsgeber? Es gibt zahlreiche Formen kulturellen Widerstands, aber schaffen es beispielsweise die Strategien der Kommunikationsguerilla tatsächlich aus einem ihr vorgegebenen Korsett auszubrechen? Oder verfehlt die politische Aussage durch Vereinnahmung vom herrschenden System ihr Ziel? Und ganz allgemein: Mit welchen Bildern arbeiten wir? Womit können wir uns von einem Zielgruppenimperativ in Marketing und Werbung distanzieren, und uns trotzdem Gehör verschaffen und dabei verstanden werden?

Was ist von integrativen Architektur- und Stadtplanungsansätzen übrig geblieben? Wie können diese Ideen wieder ins Zentrum gerückt werden, angesichts von Bau- und Gestaltungsmaßnahmen, die sich überwiegend einer Marktverwertungslogik unterworfen haben? Gibt es nur die Wahl zwischen neoliberaler Verdichtung/Inwertsetzung der Stadt und selbstverwalteten Wagenplätzen/Hausprojekten oder welche weitere Utopien einer offenen und integrativen Stadtkultur gibt es?

Wir freuen uns über eure Vorschläge und Ideen zu diesen Fragen und zu anderen, hier noch nicht erwähnten Aspekten. Wir wünschen uns dabei Beiträge in Wort und/oder Bild, neben erörtenden also auch explizit künstlerischere Perspektiven. Wie immer geht es uns dabei nicht um das Erzielen theoretischer Spitzenwerte, sondern um die Vergesellschaftung von (Handlungs-)Wissen und das zugänglich machen künstlerischer Fragestellungen. Wir bitten euch, uns eure Vorschläge bis zum 22. Juni 2016 zu schicken. Der Redaktionsschluss ist am 22. Juli 2016. Wie immer wünschen wir uns auch Beiträge jenseits dieses Schwerpunkts.

arranca! Redaktion, Mai 2016
arranca@mail.de

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