Hurra, wir leben noch…

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Seit dem Erscheinen der letzten ARRANCA!, dem Zeitpunkt der Haftbe­fehle, Hausdurchsuchungen ... im sog. Fall „Kaindl" ist ein halbes Jahr vergan­gen. Wir haben lange für diese neue Nummer gebraucht. In den letzten Mona­ten waren wir damit beschäftigt, eine Demo am 21.Mai gegen die Kriminali­sierung des antifaschistischen Wider­standes und der Selbstverteidigung von ImmigrantInnen mitvorzuberei­ten.

Es liegt auf der Hand, daß das „Machen" erst mal Vorrang vor dem „Schreiben" hatte - also eine redaktionsinterne Krise war nicht der Grund. Nach der letzten Ausgabe „Linke und Militanz", mit der wir uns über ein positives feedback freuen konnten - da wir vor der Demo viel unterwegs waren, kriegten wir auch außerhalb Berlins Reaktionen auf die ARRANCA mit -, wollten wir nicht auf die Schnelle ein neues Heft um der Pünkt­lichkeit willen „zusammenstümpern".

Die Arbeit im Zusammenhang mit der Demonstration war umfangreich: Es gab mehr als 20 Veranstaltungen bundes­weit, eine Pressekonferenz mit dem IG­Metall-Betriebsrat Hans Köbrich und der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke, insgesamt etwa 80000 Flugblätter und Plakate, die es zu verteilen galt, stän­dige Bemühungen, mit Leuten außer­halb der Antifa ins Gespräch zu kom­men, Pressekontakte, Layoutaufgaben und dann natürlich auch noch die ganz normalen Technix. Im Verhältnis zu die­sem Aufwand waren die 4000 Teilnehme­rInnen an der Demonstration am 21. Mai natürlich eine gewisse Enttäuschung.

Auch die andere Seite reagierte auf die Demo: Nach dem Pfingstwochenende wurden die ein halbes Jahr zurückge­haltenen „Fahndungsfotos" mit den Namen der „mutmaßlichen Tatverdächti­gen" an die Medien gegeben und stießen auf genügend Sensationsgeilheit.

Und um nochmal auf uns zurückzu­kommen - bei all den Bitterkeiten sind wir dann ja immer noch bemüht, uns das kleine Fest, das das Leben ja auch sein kann, nicht vermiesen zu lassen und uns mal an den See zu packen, dabei nicht über Ozon zu jammern und einfach nichts zu tun.

Aber gleich wieder zur Sache: Zwei wichtige Prozesse laufen entweder schon oder stehen für den Herbst an: seit Mitte Mai steht Gunther in Mainz wegen „schweren Landfriedensbruchs" vor Gericht. Er soll angeblich an einem Angriff gegen Fahrzeuge von Mitglie­dern der verbotenen Deutschen Alterna­tive im Januar 1993 beteiligt gewesen sein. Aufgrund dieses Tatverdachts saß Gunther erst 5 Monate in Untersu­chungshaft, nachdem das Urteil von 2 Jahren ohne Bewährung (!) vor ca. 2 Wochen verkündet wurde.

Beim anderen Prozeß, der am 20. Sep­tember gegen die türkischen und kurdi­schen Antifaschistinnen in Berlin begin­nen soll, geht es um die Tötung des Nazi-Funktionärs Gerhard Kaindl, d.h. um lebenslängliche Haftstrafen. Gerade für diesen Prozeß, in dem ein Exempel gegen militante Antifa-Aktionen statuiert werden soll, wird es wichtig sein, die Legitimität antifaschistischen Widerstan­des einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln.

Ansonsten hoffen wir, daß Ihr mit die­ser Ausgabe bei Eurer politischen Arbeit einiges anfangen könnt. Der Schwer­punkt „Bis hierher und weiter" soll eini­ges zu einem Resümee linker Politik beitragen. Wir wollen aufzeigen, was sich unserer Meinung nach Grundlegendes geändert hat und wie es weitergehen könnte. In diesem Zusammenhang veröffentlichen wir auch endlich unsere Erfahrungen der Organisationsdebatte, mit der wir Anfang 1993 angetreten waren. Unseren in der Arranca! Nr.0 gestarteten Versuch, eine linksradikale Organisation durch inhaltliche Diskussionen aufzubauen, haben wir, d.h. in diesem Fall FelS, inzwischen aufgegeben. Wir beschränken uns auf die Antifaschistische Aktion – bundesweite Organisation. Die Gründe dafür sind in dieser Ausgabe dargestellt, in der nächsten werden wir uns dazu noch einmal ausführlicher äußern.

Eine Reihe von Texten haben wir in dieses Heft nicht mitaufnehmen können, sie werden in der nächsten Nummer, die hoffentlich wieder im gewohnten 3-Monatsrhytmus erscheint, zu finden sein.

 

So long, schließen wir mit einem besonderen Gruß an die Verfolgten im Kaindl-Fall, an die wir mit dieser Ausgabe denken, - vor allem natürlich an unsere geliebte Freundin R., die wir weiterhin mit aller Kraft wütend und widerständig vermissen.

 

Eure Red.

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Erschienen in arranca! #4

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